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Quälen, nicht ?

Ronald Kodritsch & Markus Wilfling


Dies ist die erste Gemeinschaftsausstellung von Ronald Kodritsch und Markus Wilfling. Man darf gespannt sein auf das Ergebnis,wenn durch eine gemeinsame Intervention das Bett des Galeristen zum Balkon wird. Weiters sind zu sehen neue Schatten- u. Spiegelobjekte, ein weiblicher Besen mit dem Titel Besin von Markus Wilflng, Malereien aus der Serie Flaschengeister, Fotos und eine neue Holzskulptur von Ronald Kodritsch. Eine weitere Gemeinschaftsarbeit befasst sich mit der gezielten Deformation einer Sitzgelegenheit.

"...In seiner beliebigen und experementierfreudigen Arbeitsweise ähnelt er eher einem Aufdecker des "Was gibt es da zu lachen",als einem Maler, dem es um einen ernsthaften Umgang mit Tradition und kunstgeschichtlichen Vorgaben geht...

Nicht Verwirrung wird gestiftet, sondern Kodritsch schafft mehr ein Klima des philosophischen Malers. Er weiss, dass es auf jede Frage unzählige Antworten gibt...und seine Arbeitsweise nimmt dann dort auch literarische Gestalt an, wo das Bild allein zu wenig auszudrücken vermag."

Martin Pail

"...Die Schatten- und Spiegelobjekte sind ebenfalls ein Spiegelbild des Zustands unserer Gesellschaft, nämlich der Phantomisierung.Die Kunst ist schon lange zu einem Reich der Verdoppelung geworden, zum Double der Objekte, im Gefolge dieser Wende von der Skulptur zum Gebrauchsgegenstand. Die Wohnungen der reichen Sammler sind überfüllt mit verdoppelten Sitzmöbeln, Öfen, Duschen etc., die gebrauchsfähig sind, aber nicht benützt werden dürfen,weil sie von Künstlern hergestellt sind. In diesen Doppelobjekten offenbart sich das kollektive Unbewusste, das verdrängte, tabuisierte Wissen, dass im Kapitalismus jeder Gegenstand doppelt existiert: als Tauschwert und als Gebrauchswert, als Ware und als Ding. Diese Doppelexistenz jedes Gegenstands erzeugt eine Schattenwelt, eine Welt der Phantome und Gespenster, die aber real existiert: Die real existierenden Phantome der kapitalistischen Warenwelt, die Fetische, stehen in Wilflings Skupturen nebeneinander oder gegenüber. Einst, wo die Bilder schon nur Schatten der wirklichen Welt waren, konnten die Künstler keine Schatten malen...

Heute bauen sie neben jeden Gegenstand sein Schattenobjekt, weil die wirkliche Welt aus Schatten, Gespenstern, Phantomen besteht."

Peter Weibel